Geldpeilung
Entnahme-Test · nach deutscher Steuer · Stand Oktober 2026

Die 4-Prozent-Regel nach deutscher Steuer und Krankenkasse

Die bekannte Regel stammt aus US-Studien und rechnet ohne Steuer. In Deutschland kommen Abgeltungsteuer, Vorabpauschale und für freiwillig gesetzlich Versicherte der Krankenkassenbeitrag auf Kapitalerträge dazu. Wie viel bleibt dann von 4 Prozent?

Kurz gesagt: Die Steuer senkt die sichere Entnahmerate um rund 0,5 Prozentpunkte, die Krankenkasse bei freiwillig Versicherten um weitere 0,3 bis 0,4 Punkte. Mit beidem reichten über 30 Jahre in allen Startjahren seit 1970 nur rund 3,6 bis 3,7 Prozent, über 40 Jahre rund 3,2 Prozent.

Was die 4-Prozent-Regel eigentlich sagt

Oft wird die Regel so verstanden: Wer jedes Jahr 4 % entnimmt, lebt von den Erträgen und verbraucht sein Kapital nicht. Das sagt die Regel nicht. William Bengen hat 1994 untersucht, welche Entnahme in den schlechtesten historischen Startjahren gerade noch 30 Jahre gereicht hat. Sein Ergebnis war rund 4 %. In den schlechtesten Fällen war das Geld damit nach 30 Jahren fast aufgebraucht. Nur in günstigen Zeiten blieb das Kapital erhalten oder wuchs sogar.

So sah das in unseren Daten aus, 4 % Entnahme über 30 Jahre, 26 Startjahre:

Nach 30 Jahren, in Kaufkraft des Startjahres50 / 50, nur Steuer50 / 50, Steuer und Krankenkasse
Startkapital (500.000 €) noch vollständig vorhandenin 17 von 26in 8 von 26
Weniger als die Hälfte übrig oder aufgebrauchtin 4 von 26in 6 von 26
Mittlerer Fall (Median)583.000 €383.000 €

Die Regel ist also eine Untergrenze für schlechte Zeiten, kein Versprechen, dass das Kapital erhalten bleibt. Wer sicher nichts verbrauchen will, muss deutlich weniger entnehmen.

Das Ergebnis: sichere Entnahmerate, 1970–2024

500.000 € Startvermögen, Entnahme im ersten Jahr als Prozentsatz davon, danach jedes Jahr um die Inflation erhöht. „Sicher“ heißt: Die Rate hat in jedem Startjahr der Daten bis zum Ende gereicht. Laufende Kosten 0,2 % für Aktien-ETFs, 0,15 % für Anleihe-ETFs, jährlich zurückgesetzt.

Laufzeit, Aktien / AnleihenOhne SteuerMit AbgeltungsteuerPlus Krankenkasse
30 Jahre, 50 / 504,6 %4,1 %3,7 %
30 Jahre, 75 / 254,3 %3,9 %3,6 %
40 Jahre, 50 / 504,2 %3,7 %3,2 %
40 Jahre, 75 / 254,0 %3,6 %3,2 %

Abgeltungsteuer mit Soli, ohne Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag 1.000 €, Teilfreistellung 30 % für Aktien-ETFs, Vorabpauschale mit dem jeweiligen Basiszins. „Plus Krankenkasse“: freiwillig gesetzlich versichert, 22.000 € Rente im Jahr, Beitragssatz 20,5 % auf Kapitalerträge. 30 Jahre: 26 Startjahre (1970–1995), 40 Jahre: 16 Startjahre (1970–1985).

Was passiert mit genau 4 Prozent?

Beispiel: 500.000 € Vermögen, im ersten Jahr 20.000 € Entnahme (4 %), danach jedes Jahr um die Inflation mehr. Die Tabelle zeigt, in wie vielen Startjahren das Geld bis zum Ende gereicht hat. Darunter steht, wann es in den übrigen Fällen aufgebraucht war.

Laufzeit, Aktien / AnleihenNur Steuer
(Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner)
Steuer und Krankenkasse
(freiwillig versichert)
30 Jahre, 50 / 5026 von 26
immer gereicht
24 von 26
Start 1970: leer 1995
Start 1971: leer 2000
30 Jahre, 75 / 2525 von 26
Start 1970: leer 1998
23 von 26
Start 1970: leer 1994
Start 1971: leer 1999
Start 1973: leer 2001
40 Jahre, 50 / 5013 von 16
Start 1970: leer 2002
Start 1971: leer 2009
Start 1973: leer 2011
12 von 16
Start 1970: leer 1995
Start 1971: leer 2000
Start 1972 und 1973: leer 2003
40 Jahre, 75 / 2513 von 16
Start 1970: leer 1998
Start 1971: leer 2007
Start 1973: leer 2006
12 von 16
Start 1970: leer 1994
Start 1971: leer 1999
Start 1972: leer 2003
Start 1973: leer 2001

So liest man die Tabelle: Wer 1970 mit 50 % Aktien in den Ruhestand ging, freiwillig krankenversichert war und jedes Jahr 4 % plus Inflation entnahm, hatte 1995 kein Geld mehr, also nach 25 statt 30 Jahren. Ohne Krankenkassenbeitrag hätte dasselbe Depot 30 Jahre gereicht.

Gescheitert sind ausschließlich Starts von 1970 bis 1973, kurz vor und während der Ölkrise: hohe Inflation und fallende Kurse genau in den ersten Jahren der Entnahme. Das ist das Reihenfolge-Risiko. Wer zehn Jahre später mit denselben 4 % begann, hatte nach 30 Jahren sogar mehr Kaufkraft als am Anfang, auch mit Krankenkasse: Bei Start 1980 waren es rund 675.000 € in Geld von 1980, bei Start 1982 rund 659.000 €.

Die Krankenkasse: der vergessene Abzug

Hebel, die die Rate erhöhen

Grenzen dieser Rechnung

Woher die Regel stammt

Die 4-Prozent-Regel geht auf William Bengen zurück („Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“, Journal of Financial Planning, 1994) und auf die sogenannte Trinity-Studie von Cooley, Hubbard und Walz (1998). Beide haben US-Aktien und US-Anleihen ab 1926 untersucht, ohne Steuern und ohne Krankenkasse. Mit deutschen Daten, deutscher Steuer und Krankenkassenbeitrag liegt die sichere Rate niedriger, wie die Tabellen oben zeigen.

Selbst rechnen

Eigenes Vermögen, eigene Rente, gemeinsame Veranlagung, Kirchensteuer, Günstigerprüfung und Krankenversicherung:

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