Geldpeilung
Steuer-Vergleich · nach deutscher Steuer

Veröffentlicht am · Steuerrecht Stand 2026

Wird Kapital niedriger besteuert als Arbeit? Die Gesamtrechnung

Auf Kapitalerträge fallen 25 % Abgeltungsteuer an, auf Arbeitslohn bis zu 45 % Einkommensteuer. Daraus wird oft geschlossen, Kapital werde begünstigt. Der Vergleich greift zu kurz: Bei Dividenden kommt die Besteuerung des Gewinns beim Unternehmen hinzu. Wie Kapital und Arbeit insgesamt belastet werden, hängt aber von Ertragsart, Unternehmensstandort, persönlichem Einkommen und dem gewählten Vergleichsmaßstab ab. Die Rechnung im Einzelnen.

Kurz gesagt: Von 100 € Gewinn einer deutschen Kapitalgesellschaft gehen 2026 rund 31 € an Körperschaft- und Gewerbesteuer. Von der Dividende nimmt die Abgeltungsteuer weitere 18 €. Zusammen sind das in unserem Modell rund 49 %, mehr als der höchste Grenzsteuersatz auf Arbeitseinkommen mit 47,5 %. Zinsen werden dagegen nur einmal besteuert, mit 26,4 %; das ist weniger als der Grenzsteuersatz auf Lohn ab rund 25.000 € zu versteuerndem Einkommen. Ob Kapital niedriger besteuert wird, hängt also von der Ertragsart ab, davon, welchen Steuersatz auf Lohn man vergleicht, und davon, wer die Unternehmenssteuer wirtschaftlich trägt. Sozialabgaben sind in dieser Rechnung nicht enthalten.

Die Rechnung für eine Dividende

Ein deutsches Unternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft verdient 100 € und schüttet alles aus. Gewerbesteuer-Hebesatz 441 %, der einwohnergewichtete Durchschnitt der Städte ab 20.000 Einwohnern laut DIHK 2026. Beim Anleger ist der Sparer-Pauschbetrag schon verbraucht, keine Kirchensteuer. Vereinfachung: Der Gewinn ist zugleich Bemessungsgrundlage für Körperschaft- und Gewerbesteuer; gewerbesteuerliche Hinzurechnungen, Kürzungen und weitere Sonderregeln bleiben unberücksichtigt. Für 2032 sind Hebesatz und übrige Steuersätze unverändert angenommen.

Schritt2026ab 2032
Gewinn vor Steuern100,0 €100,0 €
Körperschaftsteuer mit Soli (15 % bzw. 10 %)−15,8 €−10,6 €
Gewerbesteuer (3,5 % × 441 %)−15,4 €−15,4 €
Dividende68,7 €74,0 €
Abgeltungsteuer mit Soli (26,375 %)−18,1 €−19,5 €
Bleibt beim Anleger50,6 €54,5 €
Gesamtbelastung49,4 %45,5 %

Die Körperschaftsteuer sinkt nach dem Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm vom Juli 2025 ab 2028 jedes Jahr um einen Prozentpunkt, bis auf 10 % ab 2032. Die Gesamtbelastung auf Dividenden fällt damit um rund 4 Punkte. Der Hebesatz unterscheidet sich je nach Gemeinde stark; mit 400 % läge die Gesamtbelastung 2026 bei 48,3 %.

Der Vergleich mit Lohn

Lohn ist für das Unternehmen eine Betriebsausgabe. Er wird deshalb nicht beim Unternehmen besteuert, sondern nur beim Beschäftigten, nach dem Einkommensteuertarif. Für den Vergleich zählt der Grenzsteuersatz auf zusätzliches zu versteuerndes Einkommen, mit Soli, ledig, Tarif 2026:

Zu versteuerndes EinkommenGrenzsteuersatz mit SoliDurchschnittssteuersatzDividende gesamtZinsen
20.000 €24,7 %7,9 %48,3 %*24,7 %*
40.000 €31,7 %18,0 %49,4 %26,4 %
60.000 €38,6 %23,7 %49,4 %26,4 %
100.000 €47,0 %32,1 %49,4 %26,4 %
150.000 €44,3 %36,5 %49,4 %26,4 %
300.000 €47,5 %40,6 %49,4 %26,4 %

Die Tabelle zeigt den tariflichen Grenzsteuersatz vor Rundungseffekten. Zusätzlicher Bruttolohn kann das zu versteuernde Einkommen wegen abzugsfähiger Beiträge und Aufwendungen in anderer Höhe verändern. Auch die Spalten für 2032 würden mit dem Tarif 2026 verglichen; künftige Änderungen des Einkommensteuertarifs sind nicht prognostiziert. * Mit Günstigerprüfung: Auf Antrag prüft das Finanzamt, ob die tarifliche Besteuerung der Kapitalerträge insgesamt günstiger ist als die Abgeltungsteuer. Bei kleinen zusätzlichen Erträgen gibt der Grenzsteuersatz eine Orientierung; größere Erträge können die Progression verändern. Bei 100.000 € liegt der Grenzsteuersatz höher als bei 150.000 €, weil dort der Solidaritätszuschlag stufenweise einsetzt (Milderungszone). Werte für 2026, Hebesatz 441 %.

Damit lassen sich die beiden Lager der Debatte auseinanderhalten:

Was die Rechnung nicht entscheidet

Gesetzlich sind beide Ebenen verknüpft: Die Senkung der Körperschaftsteuer auf 15 % und die Abgeltungsteuer von 25 % kamen mit derselben Unternehmensteuerreform 2008 (Abgeltungsteuer ab 2009). Wer nur einen der beiden Sätze betrachtet, sieht nur die Hälfte.

Selbst rechnen

Im Rechner lassen sich Ertragsart, Jahr, Hebesatz, eigenes Einkommen und Kirchensteuer einstellen. Er zeigt die Gesamtbelastung und daneben die Steuer auf zusätzlichen Lohn.

„Was bleibt von 100 € Unternehmensgewinn?“ in „Mein Geld“