15 % Gold oder 10 % Gold plus 5 % Bitcoin?
Ein Mischdepot aus Aktien, Anleihen und Gold: Was hätte sich geändert, wenn ein Drittel des Goldanteils in Bitcoin gesteckt hätte? Nachgerechnet seit 2011, nach deutscher Steuer und Inflation, mit den Grenzen, die eine so kurze und extreme Datenreihe hat.
Kurz gesagt: Rückblickend hat die Bitcoin-Variante in jedem getesteten Startjahr klar gewonnen, auch bei Start auf dem Höhepunkt 2017/2018. Das schlechteste Jahr war dabei nur wenig schlechter, weil der Anteil jedes Jahr auf 5 % zurückgesetzt wurde. Ob sich das wiederholt, sagt der Rückblick nicht: Bitcoin ist genau deshalb im Test, weil es groß geworden ist.
Das Ergebnis
Beispieldepot: 70 % Weltaktien und 15 % deutsche Staatsanleihen, dazu entweder 15 % Gold oder 10 % Gold und 5 % Bitcoin. Zum Vergleich 85 % Aktien und 15 % Anleihen ohne beides. 100.000 € Einmalanlage, einmal im Jahr auf die Zielaufteilung zurückgesetzt, Bestand bis Ende 2024, nach Steuer.
| Start, real pro Jahr | Ohne Gold und Bitcoin | 15 % Gold | 10 % Gold + 5 % Bitcoin |
|---|---|---|---|
| Start 2014 | 7,4 % | 7,2 % | 14,1 % |
| Start 2016 | 6,1 % | 6,2 % | 14,7 % |
| Start 2018 (nach dem Höhepunkt 2017) | 6,1 % | 6,5 % | 9,6 % |
| Start 2020 | 5,7 % | 6,1 % | 10,7 % |
| Schlechtestes Jahr (Jahresende) | −9,0 % | −6,7 % | −10,2 % |
Aus 100.000 € wurden bei Start 2014 bis Ende 2024 nach Steuer rund 280.000 € ohne Gold und Bitcoin, 275.000 € mit 15 % Gold und 550.000 € mit Gold und Bitcoin. Start 2011 ist nicht in der Tabelle: Bitcoin stieg 2011 um rund 1.700 % und 2013 um rund 5.300 %, die Bitcoin-Variante käme dann auf 28,5 % pro Jahr. Solche Anfangsjahre verzerren jeden Vergleich.
Warum der Absturz kaum größer war
Bitcoin hat in einzelnen Jahren massiv verloren: 2014 rund 53 %, 2018 rund 71 %, 2022 rund 63 %. Trotzdem fiel das Depot im schlechtesten Jahr nur um 10,2 % statt 6,7 % mit reinem Gold. Der Grund ist das jährliche Zurücksetzen: Es sind nie mehr als etwa 5 % zu Jahresbeginn im Bitcoin. Selbst ein Totalverlust hätte das Depot in einem Jahr nur um gut 5 Prozentpunkte zusätzlich getroffen. Nach oben ist der Anteil dagegen offen, und nach starken Jahren werden Gewinne beim Zurücksetzen mitgenommen.
Ohne Zurücksetzen sieht das anders aus: Nach einem Jahr wie 2013 wäre Bitcoin von 5 % auf über die Hälfte des Depots gewachsen, und der nächste Absturz hätte das ganze Depot getroffen.
Was gegen den Rückblick spricht
- Rückschaufehler: 2011 war Bitcoin praktisch das einzige digitale Geld dieser Art, aber ein kleines Experiment mit ungewissem Ausgang. Heute wissen wir, dass es sich durchgesetzt hat. Wer damals investierte, wusste das nicht, etwa beim Zusammenbruch der damals größten Handelsplattform Mt. Gox 2014. Befürworter betonen, dass Bitcoin sich von den später entstandenen Kryptowerten grundlegend unterscheidet: keine zentrale Stelle, die Menge auf 21 Millionen begrenzt. Viele dieser anderen Kryptowerte sind inzwischen verschwunden. Für den Rückblick ändert das nichts: Getestet wird, was sich im Nachhinein als Gewinner herausgestellt hat.
- Kurze, extreme Datenreihe: 14 Jahre mit Jahresgewinnen bis über 1.000 % sind keine Grundlage für eine Prognose. Der Anstieg von einem Nischenwert zu einer Billionen-Anlage lässt sich nicht noch einmal wiederholen.
- Jahreswerte: Innerhalb eines Jahres fiel Bitcoin teils um mehr als 75 %. Wer in so einer Phase verkauft, macht den Verlust endgültig.
- Gold hat seine Aufgabe trotzdem erfüllt: Mit 15 % Gold war das schlechteste Jahr am mildesten. Wer Gold wegen der Stabilität hält, hat sie bekommen.
Die Steuer hängt an der Form
- Direkt gehaltene Bitcoin sind wie physisches Gold private Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG): Verkäufe nach mehr als einem Jahr sind steuerfrei. So ist die Tabelle gerechnet. Beim jährlichen Zurücksetzen deshalb ein paar Tage nach dem Jahrestag des Kaufs verkaufen, nicht davor.
- Innerhalb eines Jahres gilt der persönliche Steuersatz, sobald alle solchen Gewinne eines Jahres zusammen 1.000 € erreichen (Freigrenze).
- Bitcoin-ETPs ohne Lieferanspruch unterliegen der Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer. Dann kostet jedes Zurücksetzen Steuer, und die Ergebnisse oben fallen niedriger aus. Bei ETPs mit Lieferanspruch ist die Einordnung nicht abschließend geklärt. Maßgeblich sind die Emissionsbedingungen.
Selbst rechnen
Eigene Aufteilung, eigener Startzeitpunkt, mit oder ohne Zurücksetzen:
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