Geldpeilung
Nachgerechnet · nach deutscher Steuer

Veröffentlicht am · Steuerrecht Stand 2026

Kleine Versicherungen: Abschließen oder selbst ansparen?

Handy, Brille, Glas, Reisegepäck: Für fast alles gibt es eine Versicherung. Jede einzelne kostet nur ein paar Euro im Monat. Zusammen und über Jahre wird daraus viel Geld. Wann lohnt sich der Schutz, und wann ist ein eigener Sparplan besser?

Kurz gesagt: Eine Versicherung zahlt im Schnitt weniger aus, als sie einnimmt, denn sie muss Vertrieb, Verwaltung und Gewinn bezahlen. Für Schäden, die man aus eigener Tasche zahlen kann, ist es im Schnitt günstiger, selbst anzusparen: Wer 30 € im Monat für kleine Policen spart, von denen die Hälfte als Leistung zurückkommt, hat im vereinfachten Modell nach 20 Jahren rund 4.400 € (Tagesgeld) bis 8.300 € (Weltaktien, Median der historischen Zeiträume) mehr. Für Schäden, die ruinieren können, ist eine Versicherung trotz der Kosten richtig.

Die Regel: Versichern, was ruiniert. Selbst tragen, was weh tut.

Eine Versicherung tauscht einen kleinen, sicheren Verlust (den Beitrag) gegen den Schutz vor einem großen, unwahrscheinlichen Verlust. Das lohnt sich, wenn der große Verlust existenzbedrohend wäre. Ein kaputtes Handy ist ärgerlich, aber kein Ruin.

VersicherungEinordnungTypischer großer SchadenTypischerweise existenzbedrohend?
Privathaftpflichtfast immer sinnvoll, meist günstigPersonenschaden, lebenslange Pflege: Millionenja
Berufsunfähigkeitsinnvoll, wer vom Arbeitseinkommen lebtEinkommen bis zur Rente: oft eine Million Euro und mehrja
Risikolebensversicherungsinnvoll, wenn Angehörige oder Mitkreditnehmer vom eigenen Einkommen abhängenfehlendes Einkommen für Familie oder Kreditrateja
Wohngebäudefür Hauseigentümer meist sehr wichtig; bei Eigentumswohnungen schließt sie meist die Gemeinschaft abdas Hausja
Auslandskrankensinnvoll, kostet wenigBehandlung und Rücktransportoft ja
Hausrat, Rechtsschutz, Zahnzusatz, Reiserücktritthängt von der Lage absehr unterschiedlich: Einrichtung, Prozesskosten, Zahnersatz, Stornokostenje nach Rücklagen und Lage
Handy, Brille, Glas, Reisegepäckmeist besser selbst ansparenbegrenzter Sachschaden, je nach Gerät und Ausstattung auch mehrere tausend Euromeist nein
Restschuld, Sterbegeldmeist teuer für die Leistungunterschiedlich–

Einordnung angelehnt an das Versicherungs-Ranking von Finanztip (Juli 2026). Wer kein Arbeitseinkommen braucht, etwa im Ruhestand, braucht keine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Warum eine Versicherung im Schnitt Geld kostet

Von jedem Beitrags-Euro fließt nur ein Teil als Leistung an die Kunden zurück. Der Rest bezahlt Vertrieb, Verwaltung und den Gewinn des Versicherers. Bei kleinen Zusatzprodukten ist dieser Rest oft groß. Bei Restschuldversicherungen dokumentierte die Finanzaufsicht BaFin bei einzelnen Instituten Provisionen an die vermittelnde Bank von der Hälfte der Versicherungsprämie und mehr. In später untersuchten Verträgen war der Durchschnitt deutlich niedriger, zuletzt rund ein Viertel. Das sind historische Untersuchungsergebnisse, keine Aussage über jeden heutigen Tarif. Die Stiftung Warentest schreibt zu Handyversicherungen: „Eine Handyversicherung hat hohes Enttäuschungspotenzial“. Sie nennt Selbstbeteiligungen, gebrauchte Ersatzgeräte und beim Diebstahl Bedingungen im Kleingedruckten, die „die meisten Kunden nicht einhalten“ können.

Die Rechnung: 30 € im Monat für kleine Policen

Beispiel: mehrere kleine Versicherungen für zusammen 30 € im Monat, 20 Jahre lang, also 7.200 €. Statt zu versichern, legt man denselben Betrag zurück und zahlt kleine Schäden selbst. Vereinfachtes Modell: Im Schnitt hat man dieselben Schäden wie die Versicherten, und sie werden gleichmäßig aus den laufenden Beiträgen bezahlt. Angelegt wird also nur der Teil, den die Versicherung nicht als Leistung auszahlt: bei 70 % Leistungsquote 9 € im Monat, bei 50 % 15 €, bei 30 % 21 €. Die Tabelle zeigt, was aus diesem Überschuss nach 20 Jahren wird.

Anteil des Beitrags, der als Leistung zurückfließtAngelegter ÜberschussVorteil nach 20 Jahren, Tagesgeld 2 %Weltaktien, MedianWeltaktien, schlechtester Zeitraum
70 %9 € im Monat2.658 €5.097 €2.691 €
50 %15 € im Monat4.429 €8.319 €4.485 €
30 %21 € im Monat6.201 €11.540 €6.278 €

Einzahlung jeweils am Monatsanfang. Tagesgeld: 2 % nominal, monatlich gutgeschrieben. Weltaktien: thesaurierender Aktien-ETF, 36 Zeiträume von 20 Jahren mit Start 1970 bis 2005, eigene Nachbildung des Weltaktienmarkts mit Jahresrenditen, gleichmäßig auf die Monate verteilt, 0,2 % Kosten pro Jahr. Median heißt: Die Hälfte der Zeiträume lag darüber, die Hälfte darunter. Steuer: In beiden Spalten ist der Sparer-Pauschbetrag als frei angenommen. Die Tagesgeldzinsen bleiben damit steuerfrei, beim ETF ist die Abgeltungsteuer mit Soli auf den Gewinn über 1.000 € nach 30 % Teilfreistellung beim Verkauf abgezogen; Vorabpauschalen bleiben bei diesen Beträgen im Pauschbetrag. Ist der Pauschbetrag schon durch andere Anlagen ausgeschöpft, liegen beide Werte niedriger, beim Tagesgeld mit 15 € im Monat etwa 4.190 € statt 4.429 €. Der Anteil, der als Leistung zurückfließt, ist eine Annahme: Er ist je nach Produkt und Anbieter sehr unterschiedlich und wird für einzelne Tarife selten veröffentlicht. Werte in Euro nach 20 Jahren, nicht inflationsbereinigt.

In den untersuchten historischen Zeiträumen lag das niedrigste ETF-Ergebnis ungefähr auf dem Niveau des Tagesgelds. Das ist keine Untergrenze für die Zukunft. Der Unterschied ist pro Monat klein, über Jahrzehnte aber spürbar.

Was das Modell nicht abbildet: Echte Schäden kommen unregelmäßig. Ein teurer Schaden kurz nach Beginn kann größer sein als das bisher Ersparte, mehrere Schäden können sich häufen, und frühe Entnahmen verkleinern das Geld, das danach weiter wächst. Liegt das Geld in Aktien, kann ein Schaden zum Verkauf nach einem Kursrückgang zwingen. Und eine Versicherung ersetzt je nach Bedingungen nicht genau das, was man selbst bezahlen würde. Deshalb gehört die Rücklage an den Anfang.

So baut man die Selbstversicherung auf

  1. Zuerst eine Rücklage auf Tagesgeld nur für kleine Schäden, zum Beispiel 1.000 bis 2.000 €. Das ist ein Beispiel, kein Richtwert: Bei teuren Geräten, mehreren Personen im Haushalt oder mehreren selbst getragenen Risiken kann deutlich mehr nötig sein. Ein Handy geht nicht dann kaputt, wenn die Börse gerade gut steht.
  2. Was darüber hinausgeht und langfristig voraussichtlich nicht für Schäden gebraucht wird, kann in einen ETF-Sparplan fließen. Er bietet Renditechancen, aber keine garantierte Mehrrendite, und kann in einem Crash über Jahre weniger wert sein.
  3. Bestehende Policen prüfen: Die meisten sind jährlich kündbar, oft mit drei Monaten Frist zum Ablauf. Handyversicherungen über den Mobilfunkvertrag laufen häufig separat und lassen sich einzeln kündigen.

Wann die kleine Versicherung trotzdem passt

Die Steuer

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Was ein Sparplan in verschiedenen Zeiträumen gebracht hätte, nach Steuer und Inflation:

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