Geldpeilung
Neu ab 2027 · nach deutscher Steuer

Veröffentlicht am · Gesetzesstand Oktober 2026

Altersvorsorgedepot ab 2027: Für wen es sich lohnt und für wen nicht

Ab dem 1. Januar 2027 fördert der Staat ein Depot für die Altersvorsorge, mit Zulagen von bis zu 540 € im Jahr plus Kinderzulagen. Dafür wird die Auszahlung im Alter voll versteuert, und das Geld ist grundsätzlich bis 65 gebunden. Ein normales ETF-Depot ist steuerlich ebenfalls günstig. Ob die Förderung ein Gewinn ist, ist eine Rechenfrage.

Kurz gesagt: In unserem Modell liegt das Altersvorsorgedepot in den meisten Fällen vorn, deutlich bei Eltern mit Kinderzulagen, bei kleinen Beiträgen und bei Sparern, deren Sparer-Pauschbetrag ohnehin verbraucht ist. Knapp wird es bei hohen Kosten und bei hohem Einkommen im Alter. Für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte kann sich das Bild umkehren, wenn auf die Auszahlung Beiträge fallen. Dazu kommen Nachteile, die keine Rechnung erfasst: Das Geld ist gebunden, und ein Auszahlplan bis 85 ist keine lebenslange Rente.

Was das Gesetz vorsieht

Gesetzesstand: Altersvorsorgereformgesetz vom 26.5.2026, verkündet am 29.5.2026 (BGBl. I 2026 Nr. 156). Die Verordnung zum Standarddepot und Produktdetails der Anbieter standen bei Redaktionsschluss noch nicht vollständig fest.

Warum es keine eindeutige Antwort gibt

Zwei Steuerwege stehen sich gegenüber. Im Altersvorsorgedepot gibt es heute Förderung und während der Ansparzeit keine Steuer, dafür ist im Alter jeder ausgezahlte Euro steuerpflichtig, auch die eingezahlten Beiträge. Im normalen ETF-Depot zahlt man aus versteuertem Geld ein, später aber nur Abgeltungsteuer auf die Gewinne, und davon sind bei Aktienfonds 30 % steuerfrei. Dazu deckt der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr bei vielen Sparern einen großen Teil der Erträge.

Wer im Alter wenig anderes Einkommen hat, zahlt auf die Auszahlung wenig Steuer; dann wirkt die Förderung fast vollständig. Wer im Alter gut versorgt ist, gibt über die Steuer einen Teil der Förderung wieder ab.

Das Beispiel

40 Jahre alt, ledig, 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr bis 65, zu versteuerndes Einkommen heute 50.000 €, im Alter ohne dieses Depot 25.000 € in heutigem Geld, Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner. 6 % Marktrendite vor Kosten, Effektivkosten 0,6 % im Altersvorsorgedepot, 0,2 % laufende Kosten im ETF-Depot, in beiden 0,25 % Quellensteuer im Fonds. Im normalen Depot ist der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € frei.

ErgebnisGeförderter WegNormales ETF-Depot
Eigenbeiträge in 25 Jahren45.000 €45.000 €
Zulagen13.500 €–
Altersvorsorgedepot mit 65, vor Steuer, heutiges Geld69.498 €–
Zusätzliche Steuererstattung (6.861 €), angelegt in einem normalen Depot, mit 658.603 €–
Normales Depot mit 65–56.515 €
Monatlich netto, 65 bis 85, in Kaufkraft von heute277 € + 49 € = 326 €296 €
Summe der inflationsbereinigten Nettoauszahlungen bis 8578.149 €71.109 €
Vermögen mit 850 €0 €

Beide Wege werden von 65 bis 85 so entnommen, dass die Kaufkraft der Auszahlung gleich bleibt und mit 85 nichts übrig ist; beim geförderten Weg zählen das Altersvorsorgedepot (277 € im Monat) und das Depot aus den Steuererstattungen (49 €) zusammen. Das Altersvorsorgedepot hat mit 65 rund 13.000 € mehr, gibt über die Steuer im Alter aber einen Teil davon ab. Unter dem Strich liegt der geförderte Weg rund 7.000 € vorn, etwa 10 %. Bei sonst gleichen Annahmen kehrt sich das erst bei einem zu versteuernden Einkommen im Alter von rund 47.000 € um; das ist eine Modellschwelle, keine allgemeine Grenze.

Wer gewinnt, wer verliert

Änderung gegenüber dem BeispielUnterschied, Summe netto bis 85
Nur 360 € Beitrag im Jahr, zwei Kindergeförderter Weg +14.422 €
Einkommen heute 90.000 €, im Alter 40.000 €geförderter Weg +14.487 €
Sparer-Pauschbetrag schon durch andere Erträge verbrauchtgeförderter Weg +13.115 €
Effektivkosten 0,3 %geförderter Weg +11.503 €
Zwei Kinder mit Kinderzulage (18 Jahre)geförderter Weg +11.243 €
Einkommen im Alter 40.000 € statt 25.000 €geförderter Weg +2.296 €
Effektivkosten 1,0 % (Obergrenze Standarddepot)geförderter Weg +1.517 €
Nur 360 € Beitrag im Jahr, keine Kindergeförderter Weg +526 €
Sensitivität: freiwillig gesetzlich krankenversichert, Beiträge auf die gesamte Auszahlung angenommennormales Depot +5.318 €

Was der Rechner nicht abbildet

So wurde gerechnet

Jahresschritte, nominal gerechnet und in heutiges Geld umgerechnet, Inflation 2 % pro Jahr. Eigenbeitrag, Zulage und Steuererstattung am Jahresende (Zulagen werden in Wirklichkeit später gutgeschrieben). Steuerabzug: Einkommensteuer mit Soli ohne und mit Abzug von Beitrag plus Zulage berechnet; nur was das mehr bringt als die Zulage, gilt als Erstattung und wird in einem normalen Depot angelegt. Steuertarif 2026, Sparer-Pauschbetrag und Beitragsbemessungsgrenze wachsen mit der Inflation; das Einkommen im Alter ist in heutigem Geld angegeben. Auszahlung von 65 bis 85 jeweils am Jahresanfang in gleichbleibender Kaufkraft, für alle Töpfe gleich, Rendite und Kosten wie in der Ansparphase. Normales Depot und Erstattungsdepot: Abgeltungsteuer mit Soli, Teilfreistellung 30 %, Vorabpauschale mit 2,5 % Basiszins, die Steuer wird durch versteuerte Anteilsverkäufe bezahlt; das Erstattungsdepot nutzt den freien Sparer-Pauschbetrag, den im Vergleich das normale Depot nutzt, also keinen zusätzlichen. „Summe“ ist die Summe der einzeln inflationsbereinigten Nettoauszahlungen, kein abgezinster Barwert. Ohne Kirchensteuer, ledig.

Selbst rechnen

Im Rechner lassen sich Beitrag, Alter, Kinder, Einkommen heute und im Alter, Kosten, freier Sparer-Pauschbetrag und Krankenversicherung einstellen. Er zeigt auch die Modellschwelle, ab der das normale Depot vorn liegt.

„Altersvorsorgedepot ab 2027“ in „Mein Geld“