Veröffentlicht am · Steuerrecht Stand 2026
Sparen für Einsteiger: Was aus 100 € im Monat wird
Zinseszins, Inflation, Steuer, Kosten und Schwankung an einem einzigen Beispiel: 100 € im Monat über 30 Jahre.
Leitfaden als PDF herunterladen (ohne Anmeldung). Testfassung: Geldpeilung ist im Aufbau. Wenn Ihnen etwas unklar oder falsch vorkommt, schreiben Sie mir bitte (Kontakt im Impressum).
Wer anfängt zu sparen, hört viele Ratschläge, aber selten Zahlen. Dieser Leitfaden rechnet ein einfaches Beispiel Schritt für Schritt durch: Sie legen 30 Jahre lang jeden Monat 100 € zur Seite, zusammen 36.000 €. Was am Ende daraus wird, hängt von fünf Dingen ab. Der Leitfaden empfiehlt kein bestimmtes Produkt; er zeigt, was die Unterschiede ausmachen.
Inhalt
- Zinseszins: warum Zeit so viel ausmacht
- Inflation: was das Geld später noch wert ist
- Steuer: was dem Finanzamt zusteht
- Kosten: der unterschätzte Posten
- Schwankung: der Preis für die höhere Rendite
Annahmen: 100 € zu Beginn jedes Monats, 30 Jahre. Die Renditen sind angenommene Werte für das Rechenbeispiel, keine Vorhersage: Konto ohne Zinsen 0 %, Tagesgeld 2 %, Aktienfonds 6 % im Jahr nach Fondskosten. Inflation 2 % im Jahr. Steuer: Abgeltungsteuer 25 % plus Soli = 26,375 %, ohne Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag 1.000 € im Jahr und nicht anderweitig verbraucht, Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung. Die Fondsbesteuerung ist vereinfacht: Die Steuer wird erst beim vollständigen Verkauf nach 30 Jahren gerechnet. Jährliche Vorabpauschalen und die mögliche jährliche Nutzung des Pauschbetrags sind nicht simuliert; das tatsächliche Ergebnis nach Steuer kann deshalb abweichen. Laufende Fondskosten sind vereinfacht in Prozentpunkten von derselben Bruttorendite abgezogen; Depot-, Handels- und Einstiegskosten sind nicht berücksichtigt.
1. Zinseszins: warum Zeit so viel ausmacht
Zinseszins heißt: Auch die Erträge bringen wieder Erträge. Am Anfang merkt man davon kaum etwas, nach Jahrzehnten macht es den größten Teil aus.
| Nach 30 Jahren | Eingezahlt | Kontostand | davon Erträge |
|---|---|---|---|
| Konto ohne Zinsen (0 %) | 36.000 € | 36.000 € | 0 € |
| Tagesgeld (2 %) | 36.000 € | 49.207 € | 13.207 € |
| Aktienfonds (6 %) | 36.000 € | 97.926 € | 61.926 € |
Beim Aktienfonds sind am Ende fast zwei Drittel des Kontostands Erträge, nicht Einzahlungen. Das funktioniert aber nur mit Zeit: Wer zehn Jahre später anfängt, hat nicht ein Drittel weniger, sondern deutlich weniger, weil die letzten Jahre die stärksten sind.
2. Inflation: was das Geld später noch wert ist
Bei 2 % Inflation im Jahr kostet in 30 Jahren alles etwa 1,8-mal so viel wie heute. Ein Euro von dann kauft also nur noch etwa so viel wie 55 Cent heute. Um vergleichbar zu machen, rechnet Geldpeilung Beträge in heutiges Geld um.
| Nach 30 Jahren | Kontostand | in heutigem Geld |
|---|---|---|
| Konto ohne Zinsen | 36.000 € | 19.875 € |
| Tagesgeld (2 %) | 49.207 € | 27.166 € |
| Aktienfonds (6 %) | 97.926 € | 54.062 € |
Das Geld auf dem Konto ohne Zinsen verliert über 30 Jahre fast die Hälfte seiner Kaufkraft. Beim Tagesgeld mit 2 % gleichen die Zinsen die Inflation gerade aus: Jede Einzahlung behält ihre Kaufkraft, wächst aber nicht.
Warum sind die 36.000 € Einzahlungen dann nur 27.166 € in heutigem Geld wert? Weil die Sparrate hier immer 100 € bleibt. Durch die Inflation ist eine spätere Einzahlung weniger wert als eine heutige. 36.000 über die Jahre eingezahlte Euro sind deshalb nicht 36.000 € heutiger Kaufkraft. Soll die Sparrate ihre Kaufkraft behalten, muss sie regelmäßig steigen; der Sparrechner kann das mit der Auswahl „mit Inflationsausgleich“ zeigen. Echtes Wachstum entsteht erst, wenn die Rendite über der Inflation liegt.
3. Steuer: was dem Finanzamt zusteht
- Tagesgeld: Die Zinsen sind jedes Jahr steuerpflichtig. Im Beispiel liegen sie bis zum Schluss unter 1.000 € im Jahr und bleiben deshalb durch den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei, sofern der Bank ein Freistellungsauftrag vorliegt.
- Aktienfonds: Während der Haltedauer können schon Steuern auf Ausschüttungen oder Vorabpauschalen anfallen. Beim Verkauf sind bei einem Aktienfonds 70 % des steuerlichen Gewinns steuerpflichtig (30 % Teilfreistellung); angesetzte Vorabpauschalen mindern diesen Gewinn. In der Tabelle ist das vereinfacht als Steuer beim Verkauf am Ende gerechnet.
| Nach 30 Jahren | Steuer | Netto | Netto in heutigem Geld |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld (2 %), Zinsen laufend im Pauschbetrag | 0 € | 49.207 € | 27.166 € |
| Aktienfonds (6 %), alles verkauft in einem Jahr | 11.169 € | 86.756 € | 47.896 € |
Wer Verkäufe über mehrere Jahre verteilt, kann unter Umständen mehrere jährliche Pauschbeträge nutzen. Das kann die Steuer senken, wenn sie nicht schon durch andere Erträge ausgeschöpft sind; Kursänderungen und Handelskosten beeinflussen das Ergebnis zusätzlich. Wie das geht, zeigt der Leitfaden Geld aus dem Depot entnehmen.
4. Kosten: der unterschätzte Posten
Fonds kosten jedes Jahr eine Gebühr, meist als „laufende Kosten“ in Prozent angegeben. Breit streuende Index-ETFs kosten oft um 0,2 % im Jahr, viele aktiv gemanagte Bankfonds 1,5 % oder mehr. Der Unterschied klingt klein, wirkt aber jedes Jahr auf das ganze Vermögen.
| Aktienfonds, 30 Jahre | Rendite nach Kosten | Kontostand | Netto nach Steuer, heutiges Geld |
|---|---|---|---|
| Kosten 0,2 % im Jahr | 6,0 % | 97.926 € | 47.896 € |
| Kosten 1,5 % im Jahr | 4,7 % | 77.653 € | 38.770 € |
Gleiche Marktrendite von 6,2 % vor Kosten; der einzige Unterschied sind die laufenden Kosten.
Rund 9.000 € in heutigem Geld Unterschied, nur durch die Gebühr. Wie sich unterschiedliche Kosten und Renditeannahmen auswirken, können Sie in Mein Geld mit Ihren Zahlen vergleichen.
5. Schwankung: der Preis für die höhere Rendite
Die konstanten 6 % sind eine vereinfachte Annahme für dieses Beispiel. Tatsächliche Aktienrenditen schwanken stark. Selbst bei gleicher Durchschnittsrendite kann ein Sparplan je nach Reihenfolge guter und schlechter Jahre verschieden enden. In der von Geldpeilung verwendeten Weltaktien-Nachbildung (in Euro, mit Dividenden, jeweils zum Jahresende) waren die schlechtesten Jahre 2008 mit −37 %, 1974 mit −30 %, 1973 mit −28 % und 2002 mit −27 %. Innerhalb eines Jahres waren die Tiefpunkte noch tiefer.
- Zeit: Geld, das in den nächsten Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien. Ein Einbruch kann Jahre dauern, bis er aufgeholt ist.
- Notgroschen zuerst: Viele Ratgeber empfehlen, zuerst eine Reserve von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld zu halten. Dann muss man bei einer Reparatur nicht im ungünstigen Moment verkaufen.
- Nach einem Einbruch: Wer dann verkauft, ist an der weiteren Entwicklung dieser Anlage nicht mehr beteiligt. Ob ein Verkauf sinnvoll ist, hängt von Ziel und Lage ab; bloßes Halten garantiert keine Erholung. Eine ausreichende Reserve hilft, Verkäufe aus kurzfristigem Geldbedarf zu vermeiden. Das Rechenbeispiel geht davon aus, dass jemand 30 Jahre dabeibleibt.
Wie sich ein solcher Sparplan mit unseren historischen Jahresdaten seit 1970 entwickelt hätte, zeigt der Sparrechner, auch wie stark der Kontostand zwischendurch gefallen wäre. Die Daten sind eine Nachbildung, kein damals kaufbarer ETF; Tiefpunkte innerhalb eines Jahres sind nicht enthalten.
Das Wichtigste in fünf Sätzen:
- Je früher Sie anfangen, desto länger können Erträge mitarbeiten.
- Entscheidend ist, was nach Kosten, Steuer und Inflation übrig bleibt.
- Ein passender Freistellungsauftrag verhindert unnötigen Steuerabzug im Rahmen des Pauschbetrags.
- Kleine laufende Kostenunterschiede können über Jahrzehnte große Beträge ausmachen.
- Höhere Renditechancen gehen mit Risiken einher; Geld, das bald gebraucht wird, sollte nicht von Aktienkursen abhängen.