Geldpeilung
Nachgerechnet · nach deutscher Steuer

Veröffentlicht am · Steuerrecht Stand 2026

Das Berkshire-Prinzip: Woran man Versicherungs-Holdings erkennt und was die Steuer dazu sagt

Berkshire Hathaway wurde groß, weil es Versicherungsgeld billig anlegen konnte. Mehrere Unternehmen arbeiten nach demselben Prinzip. Dieser Artikel zeigt, mit welchen Kennzahlen man das selbst prüft, und was ein deutscher Anleger bei solchen Aktien versteuert. Er empfiehlt keine einzelne Aktie.

Kurz gesagt: Der Vorteil entsteht, wenn das Versicherungsgeld („Float“) weniger kostet, als seine Anlage bringt. Am günstigsten ist ein Versicherungsgeschäft, das mindestens kostendeckend läuft: Dann kostet das Float nichts oder bringt sogar Gewinn. Im vereinfachten Modell hebt Float in Höhe des Eigenkapitals bei 6 % Anlagerendite und null Kosten die Eigenkapitalrendite auf 12 %; Verluste werden ebenso verstärkt. Für deutsche Privatanleger gelten die Regeln für direkt gehaltene Aktien. Ausländische Quellensteuer betrifft nur Dividenden und andere Ausschüttungen; bei kanadischen, schwedischen und Schweizer Werten kostet sie Geld, wenn man den Überhang nicht zurückfordert.

Das Prinzip in einem Satz

Ein Versicherer erhält die Prämien heute und zahlt Schäden erst später. Dazwischen liegt das Geld bei ihm, das sogenannte Float, und er kann es anlegen. Kostet ihn dieses Geld nichts, weil die Prämien die Schäden und Kosten decken, wirkt es wie ein zinsloser Kredit. Aber auch ein leicht verlustreiches Versicherungsgeschäft kann sich lohnen, solange der Verlust, bezogen auf das Float, kleiner ist als die Anlagerendite. Genau diesen billigen Hebel hat die Studie im Artikel Warren Buffett: Woher die Rendite wirklich kam als einen Haupttreiber gefunden.

Die Kennzahlen, mit denen Sie prüfen

KennzahlWas sie zeigtGut ist
FloatVersicherungsgeld, das das Unternehmen anlegen kann, im Verhältnis zum Eigenkapitalnachhaltig vorhanden, günstig und tragbar im Verhältnis zu Eigenkapital, Schadenrisiken und Liquidität; ein hoher Wert verstärkt auch das Risiko
Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio), nur für Schaden- und UnfallversichererSchäden plus Kosten geteilt durch verdiente Prämienüber mehrere Jahre und Schadenzyklen unter 100 %, am besten als Summe aller Schäden und Kosten geteilt durch die Summe der Prämien
Kosten des Floatsversicherungstechnischer Verlust vor Steuern geteilt durch den durchschnittlichen Float des Jahres; ein Gewinn ergibt negative Kostendeutlich unter der Anlagerendite, möglichst unter dem Zins kurzlaufender Staatsanleihen
Anlage des FloatsWie viel in Aktien und Unternehmen steckt und wie viel in Bargeld und kurzlaufenden Anleihenhängt vom Ziel ab: Bargeld und kurzlaufende Anleihen halten Liquidität verfügbar und bringen ungefähr den Geldmarktzins, schützen aber nicht vor Inflation und Währungsschwankungen
Kurs-Buchwert-VerhältnisWas der Markt für einen Euro Eigenkapital bezahltniedrig im Verhältnis zur Eigenkapitalrendite

Float und Schaden-Kosten-Quote stehen im Geschäftsbericht, bei Berkshire, Markel und Fairfax auch im Brief an die Aktionäre. Achten Sie darauf, ob Zahlen vor oder nach Rückversicherung angegeben sind. Eine Quote über 100 % in einem schlechten Jahr ist kein Ausschlussgrund. Ein einfacher Zehnjahresschnitt kann aber täuschen, wenn das Geschäft stark wächst oder sich verändert. Neben der Quote zählen Prämienwachstum, die Entwicklung der Schadenreserven, Rückversicherung und Kapitalausstattung. Für Lebens- und Rentenversicherer passt die Schaden-Kosten-Quote nicht; dort müssen Garantien, Verpflichtungen, Anlageerträge und Kapital gesondert geprüft werden.

Was der Hebel rechnerisch bringt

Eigenkapitalrendite = Anlagerendite + Float/Eigenkapital × (Anlagerendite − Kosten des Floats). Beispiel mit 6 % Anlagerendite. Ein stark vereinfachtes Modell: Eigenkapital und Float sind vollständig und mit derselben Rendite angelegt, keine weiteren Schulden, keine Holdingkosten, keine Unternehmenssteuern, keine Anlagebeschränkungen durch Aufsicht oder Liquiditätsbedarf. Die echte Eigenkapitalrendite eines Konzerns lässt sich damit nicht aus zwei Kennzahlen ausrechnen.

Float je Euro EigenkapitalFloat bringt 2 % GewinnFloat kostet 0 %Float kostet 2 %Float kostet 5 %Börsenjahr mit −20 %, Float kostet 0 %
0 (kein Versicherer)6,0 %6,0 %6,0 %6,0 %−20 %
0,510,0 %9,0 %8,0 %6,5 %−30 %
1,014,0 %12,0 %10,0 %7,0 %−40 %

Drei Lehren daraus:

Was der Kaufpreis ausmacht

Selbst bei guter Eigenkapitalrendite verdient der Anleger weniger, wenn er zu teuer kauft. Fällt das Kurs-Buchwert-Verhältnis über zehn Jahre von 1,6 auf 1,2, wirkt das wie ein jährlicher Bewertungsfaktor von rund −2,8 %. Steigt es von 1,0 auf 1,4, sind es rund +3,4 %. Dieser Faktor wird mit dem Wachstum des Buchwerts je Aktie multipliziert, nicht einfach addiert: Wächst der Buchwert um 10 % pro Jahr, ergibt sich im ersten Fall 1,10 × 0,972 − 1, also rund 6,9 % statt 10 %. Der Buchwert ist bei Versicherern eine gängige Bezugsgröße, weil ihr Vermögen überwiegend aus Kapitalanlagen besteht; bei Holdings mit vielen operativen Töchtern bildet er den Wert weniger gut ab. Über zehn Jahre kann der Einstiegspreis also fast so viel ausmachen wie die Qualität des Unternehmens.

Bauformen: Beispiele, keine Auswahl

Die Tabelle ordnet Unternehmen ein, die oft in diesem Zusammenhang genannt werden. Sie bewertet sie nicht und ist keine Kaufliste.

UnternehmenSitzEigenes VersicherungsgeldDividendeQuellensteuer für deutsche Anleger
Berkshire HathawayUSAjakeineentfällt ohne Dividende
Markel GroupUSAjakeineentfällt ohne Dividende
Arch CapitalBermudajakeine regelmäßige; Sonderdividende möglich, zuletzt 5 $ je Aktie im Dezember 2024keine bermudische Quellensteuer; die Dividende ist in Deutschland steuerpflichtig
Kinsale CapitalUSAja, reiner Versichererklein30 %, nach DBA mit W-8BEN-Formular 15 %
Fairfax FinancialKanadajajährlich25 %, nach DBA 15 %
Brookfield CorporationKanadaja, über Lebensversicherung und Rentenverträge (andere Bauform, siehe oben)vierteljährlich25 %, nach DBA 15 %
Howard Hughes HoldingsUSAja, seit Kauf des Versicherers Vantage im Juni 2026keineentfällt ohne Dividende
Investor ABSchwedennein, Beteiligungsholdingja30 %, nach DBA 15 %
ExorNiederlandenein, Beteiligungsholdingklein15 %, entspricht dem DBA-Satz

Stand Oktober 2026. Howard Hughes befindet sich mitten im Umbau zur Holding unter Bill Ackman. Erste Geschäftszahlen mit Vantage liegen vor; ob sich das Modell langfristig bewährt, lässt sich noch nicht beurteilen. Dividendenpolitik, Sitz und Versicherungsstruktur der übrigen Unternehmen entsprechen dem Stand ihrer letzten Geschäftsberichte; vor einem Kauf sollte man sie selbst nachsehen, denn für die Quellensteuer zählt nicht allein der Sitz. Beteiligungsholdings ohne Versicherung haben kein zinsloses Fremdgeld, ihr Hebel kommt höchstens aus normalen Schulden.

Die Steuer für deutsche Anleger

Was davon nachbaubar ist

Ein Privatanleger kann das Versicherungsprinzip nicht selbst betreiben. Er kann sich nur an Unternehmen beteiligen, die es betreiben, und trägt dann deren Einzelrisiko: Großschäden, Fehler im Management, einen zu hohen Kaufpreis. Was jeder nutzen kann, ist die Steuerstundung durch langes Halten. Wie viel sie ausmacht, zeigt der Buffett-Artikel.

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