Warren Buffett: Woher die Rendite wirklich kam und was Sie davon nutzen können
Buffetts Erfolg wird meist mit der richtigen Aktienauswahl erklärt. Das ist nur ein Teil. Ein großer Teil kam aus billigem geliehenem Geld seiner Versicherungen, ein weiterer aus Steuern, die er nie oder sehr spät gezahlt hat. Einer dieser drei Teile ist für Privatanleger nicht nachbaubar, einer verlangt Können und Disziplin, einer steht jedem offen.
Kurz gesagt: Berkshire arbeitete mit rund 1,7-fachem Hebel, finanziert zu einem großen Teil über Versicherungsgeld, das billiger war als kurzfristige US-Staatsanleihen. Diesen Hebel kann ein Privatanleger nicht billig kopieren. Die Auswahl guter Unternehmen ist Können, das man theoretisch selbst anwenden kann. Was jeder sicher nutzen kann, ist die Steuerstundung: Über 30 Jahre machte es rund 200.000 € auf 100.000 € Einsatz aus, ob man Gewinne liegen ließ oder jedes Jahr versteuerte.
Was die Forschung zeigt
Die Studie „Buffett's Alpha“ von Andrea Frazzini, David Kabiller und Lasse Pedersen (Financial Analysts Journal 2018) hat Berkshire Hathaway von 1976 bis 2017 untersucht:
- Berkshire erzielte im Schnitt 18,6 % pro Jahr über dem Zins kurzfristiger US-Staatsanleihen, der Aktienmarkt 7,5 %.
- Der durchschnittliche Hebel lag bei etwa 1,7 zu 1. Rund 35 % der Verbindlichkeiten waren Versicherungsgeld („Float“): Prämien, die schon eingenommen, aber noch nicht für Schäden ausgezahlt waren.
- Dieses Geld kostete Berkshire im Schnitt etwa 3 Prozentpunkte weniger als kurzfristige US-Staatsanleihen.
- Die Überrendite lässt sich fast vollständig mit zwei Dingen erklären: dem Hebel und der konsequenten Auswahl günstiger, wenig schwankender und profitabler Unternehmen. Die Autoren nennen das Ergebnis weder Glück noch Magie. Das heißt nicht, dass Buffett kein Können hatte: Sein Können lag genau darin, diese Unternehmen zu erkennen, jahrzehntelang dabei zu bleiben und sie mit billigem Geld zu hebeln, lange bevor die Forschung diese Eigenschaften beschrieben hat.
Quelle 1: Die Auswahl
Buffett und Charlie Munger kauften Unternehmen, die günstig bewertet, wenig schwankungsanfällig und profitabel waren, und hielten sie lange. Das ist echtes Können, und theoretisch kann ein Anleger es selbst anwenden: Geschäftsberichte lesen, Bewertung und Verschuldung prüfen, Geduld haben. In der Praxis scheitern die meisten an der Disziplin oder daran, dass ihr Urteil schlechter ist als gedacht. Wer es systematisch angehen will, kann den Stil mit Qualitäts- oder Value-ETFs annähern. Ob sich das künftig auszahlt, ist offen: Solche Stile hatten auch lange schwache Phasen.
Quelle 2: Billiger Hebel – für Privatanleger nicht kopierbar
Was passiert, wenn man Weltaktien 1,7-fach hebelt? Einmal mit Geld, das 3 Punkte unter dem Tagesgeldzins kostet (wie Berkshires Float), einmal mit einem Wertpapierkredit, für den wir 3 Punkte über dem Tagesgeldzins annehmen:
| Weltaktien 1979–2024, vor Steuer | Rendite pro Jahr | Schlechtestes Jahr | Größter Verlust (Jahresende) |
|---|---|---|---|
| Ohne Hebel | 10,3 % | −36,7 % | −42,1 % |
| 1,7-fach, Geld wie Berkshires Float | 14,6 % | −62,7 % | −72,4 % |
| 1,7-fach, Wertpapierkredit | 10,8 % | −66,9 % | −81,8 % |
Hebel jedes Jahr auf 1,7 zurückgesetzt, Zinskosten auf den geliehenen Teil, Tagesgeldzins aus den Bundesbank-Daten des Rechners, Kosten nicht unter null. Jahreswerte: Innerhalb eines Jahres wären die Verluste tiefer gewesen, und eine Bank hätte bei solchen Einbrüchen Nachschuss verlangt oder Positionen zwangsverkauft. Das ist hier nicht gerechnet.
Mit billigem Geld bringt der Hebel gut 4 Punkte mehr pro Jahr. Mit normalem Kreditzins bleibt ein halber Punkt übrig, bei fast doppelt so tiefem Absturz. Dazu kommt ein deutscher Steuerpunkt: Zinsen für einen Wertpapierkredit sind bei der Abgeltungsteuer nicht absetzbar (§ 20 Abs. 9 EStG, nur der Sparer-Pauschbetrag zählt). Nach Steuer ist der Kredithebel damit noch unattraktiver.
Quelle 3: Steuerstundung – das kann jeder
Hier geht es nur um die Steuer, nicht um die Auswahl: Alle Varianten in der Tabelle unten haben dieselbe Rendite, nämlich die des Weltaktienmarkts. Gezeigt wird allein, wie viel die Art der Besteuerung davon übrig lässt.
Berkshire zahlt seit 1967 keine Dividende und verkauft selten. Gewinne bleiben im Unternehmen und arbeiten weiter, die Steuer darauf fällt erst an, wenn ein Aktionär verkauft. Das Steuergeld wirkt bis dahin wie ein zinsloser Kredit vom Finanzamt.
Gleiche Weltaktien-Rendite, 100.000 € Einmalanlage, verschiedene Arten der Besteuerung:
| 100.000 €, Weltaktien | 1995–2024 nach Steuer | real pro Jahr | 1970–2024 nach Steuer | real pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Ohne jede Steuer (Vergleich) | 1.359.000 € | 7,1 % | 8.728.000 € | 5,6 % |
| Thesaurierender Aktien-ETF, liegen lassen | 1.094.000 € | 6,4 % | 6.147.000 € | 4,9 % |
| Ausschüttender Aktien-ETF, liegen lassen | 1.067.000 € | 6,3 % | 5.788.000 € | 4,8 % |
| Aktie ohne Dividende, liegen lassen | 1.028.000 € | 6,1 % | 6.452.000 € | 5,0 % |
| Gewinne jedes Jahr verkauft und versteuert | 889.000 € | 5,6 % | 4.176.000 € | 4,2 % |
Alle Varianten mit derselben Weltaktien-Rendite und 0,2 % Kosten, Sparer-Pauschbetrag 1.000 €, ohne Kirchensteuer, am Ende verkauft und versteuert. ETF: 30 % Teilfreistellung und Vorabpauschale. Aktie ohne Dividende: keine Teilfreistellung und keine Vorabpauschale, Annahme gleiche Rendite wie der Markt. „Jedes Jahr versteuert“: Gewinne jährlich realisiert, zum Beispiel durch häufiges Umschichten, Verluste vorgetragen.
Was man daraus lernen kann
- Der größte Steuerfehler ist häufiges Verkaufen. Wer jedes Jahr Gewinne realisiert, hatte nach 30 Jahren rund 205.000 € weniger als mit dem liegen gelassenen ETF, nach 55 Jahren fast 2 Millionen weniger. Das ist der Teil von Buffetts Rezept, den jeder kopieren kann.
- Bei gleicher Rendite ist der Steuernachteil eines ETF klein. Gegenüber einer Aktie ohne Dividende kostet der thesaurierende ETF zwar jedes Jahr Vorabpauschale, dafür sind 30 % des Gewinns steuerfrei (Teilfreistellung). Über 30 Jahre lag der ETF steuerlich sogar vorn, erst über sehr lange Zeiträume gewinnt das Liegenlassen einer Aktie ohne Dividende. Das betrifft nur die Steuerhülle: Buffetts Auswahl und sein billiges Geld bekommt man mit einem Welt-ETF nicht.
- Ausschüttend oder thesaurierend ist weniger wichtig als oft gedacht: über 30 Jahre rund 27.000 € Unterschied, also ein Bruchteil dessen, was häufiges Verkaufen kostet.
- Billiger Hebel ist kein Werkzeug für Privatanleger. Der Kreditzins frisst den Vorteil, die Zinsen sind nicht absetzbar, und ein Absturz kann zum Zwangsverkauf führen.
Selbst rechnen
Was ein Verkauf oder eine Umschichtung in Ihrem Depot heute an Steuer kostet, mit FIFO und Altbestand:
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