Geldpeilung
Steuer-Termin · nach deutscher Steuer

Veröffentlicht am · Steuerrecht Stand 2026

Verluste im Depot bis zum Jahresende nutzen: Was ein Verlustverkauf wirklich bringt

Wer dieses Jahr schon Gewinne versteuert hat und zugleich Positionen im Minus hält, kann sich einen Teil der Steuer zurückholen, indem er den Verlust realisiert. Das klingt nach geschenktem Geld. Meist ist es eine Steuerstundung, und welche Verluste womit verrechnet werden, regelt das Gesetz streng.

Kurz gesagt: Ein realisierter Verlust mindert die Gewinne desselben Jahres. Hat die Bank auf passende Gewinne schon Abgeltungsteuer einbehalten, erstattet sie diese: bei 4.000 € Aktienverlust bis zu 1.055 € (ohne Kirchensteuer). Aktienverluste zählen aber nur gegen Aktiengewinne. Wer zurückkauft, senkt seinen Einstand; steigt der Kurs wieder, kommt die Steuer später zurück. Liegen Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken, muss die Verlustbescheinigung bis 15. Dezember beantragt sein.

Das Beispiel

Eine Aktie, 2020 für 10.000 € gekauft, ist heute 6.000 € wert. Bei derselben Bank wurden dieses Jahr schon 10.000 € Gewinne aus Aktienverkäufen versteuert, der Freistellungsauftrag ist verbraucht.

Vereinfachtes Steuerbeispiel ohne Transaktionskosten. Die Handelskosten sind eine zusätzliche Schätzung; ihre steuerliche Wirkung ist nicht eingerechnet.

SchrittBetrag
Realisierter Verlust−4.000 €
Erstattung der Abgeltungsteuer mit Soli1.055 €
mit 8 % / 9 % Kirchensteuer1.113 € / 1.120 €
Geschätzte Handelskosten: 2 € Ordergebühren plus 12 € aus Geld-Brief-Spanne und Ausführungskursen (je 0,1 % beim Verkauf und beim Rückkauf)−14 €
Neuer Einstand nach Rückkauf zu 6.000 € (zuzüglich Kaufnebenkosten)rund 6.000 € statt 10.000 €
Steigt die Aktie später wieder auf 10.000 €: zusätzlicher Gewinn4.000 €
Darauf Steuer zum heutigen Satz, falls dann nichts verrechnet werden kann1.055 €

Modellrechnung, keine Empfehlung. Bei derselben Bank fließt die Erstattung in ihre laufende Verlustverrechnung ein; wann sie gebucht wird, hängt von der Bank ab. Der Kurs kann sich zwischen Verkauf und Rückkauf ändern.

Die 1.055 € sind deshalb vor allem ein Steueraufschub: Die Erstattung steht früher zur Verfügung, die Steuer wird erst beim späteren Verkauf fällig. Endgültig gespart ist es nur, wenn der spätere Gewinn tatsächlich niedriger besteuert wird, etwa weil dann ein Freibetrag frei ist, andere Verluste gegenüberstehen oder sich die persönliche Lage geändert hat. Das lässt sich heute nicht vorhersagen.

Welcher Verlust womit verrechnet wird

Verlust ausverrechenbar mitBesonderheit
Verkauf von Einzelaktien (gekauft ab 2009)nur Gewinnen aus Aktienverkäufeneigener Aktienverlusttopf; Zinsen, Dividenden oder ETF-Gewinne gleicht er nicht aus
Aktien-ETFs und -Fondsallen Kapitalerträgen, auch Aktiengewinnenbei gewöhnlichen Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung zählen 70 % des Verlusts: 4.000 € Verlust bringen bei ausreichenden verrechenbaren Erträgen bis zu 738,50 € (ohne Kirchensteuer). Bei vor 2018 gekauften Anteilen wird der Teil bis Ende 2017 ohne Teilfreistellung gerechnet.
Anleihen, Anleihe-ETFs, Zertifikateallen Kapitalerträgenallgemeiner Verlusttopf
Einzelaktien, gekauft vor 2009–Altbestand: Gewinne steuerfrei, Verluste zählen steuerlich nicht
Physisches Gold, Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch (z. B. Xetra-Gold), direkt gehaltene Bitcoin, jeweils innerhalb eines Jahres verkauftsteuerpflichtigen Gewinnen aus allen privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 EStG, etwa auch einem Immobilienverkauf innerhalb der Fristkein Bankverlusttopf, Verrechnung über die Steuererklärung (Anlage SO); Rücktrag ins Vorjahr und Vortrag in Folgejahre, aber nur innerhalb dieser Geschäfte. Nach einem Jahr Haltedauer steuerlich ohne Bedeutung. Gold-ETCs ohne Lieferanspruch zählen zu den Kapitalerträgen.

Ob die Beschränkung für Aktienverluste verfassungsgemäß ist, prüft das Bundesverfassungsgericht (2 BvL 3/21); die Entscheidung wird für 2026 erwartet und stand am 15.10.2026 noch aus. Ob Ihr Steuerbescheid in diesem Punkt vorläufig ergeht, steht im Vorläufigkeitsvermerk des Bescheids.

Mehrere Banken: Frist 15. Dezember

Jede Bank verrechnet nur, was in ihren eigenen Depots passiert. Liegen die versteuerten Gewinne bei Bank A und die Verluste bei Bank B, holt der Verkauf bei Bank B zunächst nichts zurück; der Verlust bleibt im Topf von Bank B und wird dort normalerweise ins nächste Jahr vorgetragen.

Verkaufen und zurückkaufen: in der richtigen Reihenfolge

Wann es wenig bringt

Für Ihr eigenes Depot rechnen

Mit Ihren Käufen nach FIFO, Ihren Verlusttöpfen und den in diesem Jahr schon versteuerten Gewinnen zeigt der Rechner Erstattung, Kosten und die mögliche spätere Steuer nach einem Rückkauf, jeweils unter Ihren Annahmen:

„Was kostet dieser Verkauf?“ in „Verkaufen & Steuern“